Sparkassen im Visier der Privatisierung

Die Sparkassen-Finanzgruppe, der größte Anbieter im Universalbank-Geschäft in Deutschland mit 640 angeschlossenen Unternehmen, 371.000 Mitarbeitern und einer kumulierten Bilanzsumme von 3,4 Billionen Euro (zum Vergleich, die größte Privatbank Deutschlands, die Deutsche Bank bilanziert 2 Billionen Euro), könnte Privatisiert werden.

So zumindest berichtet „Die Welt“ in Ihrer heutigen Ausgabe.

Die Sparkassen sind mit wenigen Ausnahmen („freie Sparkassen“) Anstalten des öffentlichen Rechts und werden von den Kommunen getragen. Ihre Aufgabe war im Anfang ihrer Entstehung die Versorgung derjenigen Bevölkerungsschichten im Bankwesen, die für Privatbanken nicht von Interesse waren, also die nicht Vermögenden. Mit der Sparkasse, die im 19. Jahrhundert zur Gründerzeit das Licht der Welt erblickte, konnten viele gering Verdienende erstmals die Möglichkeiten einer Bank nutzen.

Durch ihre öffentliche Ausrichtung, ihren nicht ausschliesslich kommerziellen Charakter, und der Unterstützung der Kommunen trugen diese auch zur Finanzierung im öffentlichen Sektor bei.

Das soll nach den Plänen einiger hochrangiger Politiker und Landesfürsten anders werden. Das Problem sei die abgeschlossene Struktur der Sparkassenverbände, die nicht Rechenschaftspflichtig gegenüber den Kommunen seien, monierten „etliche“ Stadt-und Kreiskämmerer. Die Kassen seien „nicht transparent“.

Zudem sind die Kassen durch Land und Kommune verbürgt. Das hat die Sparkassen wiederum mit günstigen Konditionen auf den Finanzmärkten ausgestattet. Andererseits treten viele Sparkassen in ihren Regionen als Förderer auf und unterstützen den jeweiligen Landkreis in verschiedener Form.

Zum guten letzten sorgen sie für günstige Konditionen und einen breit gefächerten Wettbewerb im Privatkunden- und Mittelstands-Segment des Bankenwesens.

Meiner Meinung nach soll die derzeit anlaufende Debatte wieder einmal die alte Mär von der „Effizienz-Steigerung durch Privatisierung“ predigen, die lediglich den Global Playern nützt, und nicht den einfachen Menschen. Mit Sicherheit dient sie nicht den Kommunen und Städten, die durch die Sparkassen ein unabhängiges Finanzierungsinstrument zu günstigen Konditionen zur Verfügung haben.

Sollte dieses Modell der Finanzierungsmöglichkeiten kippen, wäre der Raffgier der privaten Investoren im öffentlichen Sektor nur schwer beizukommen. Die Erfahrungen mit Privatisierungen im öffentlichen Sektor sprechen für sich.

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