Verheißungsvolle Drehung – 75 Jahre Kaugummiautomat

Als ich sieben Jahre alt war und jeden Morgen mit meinen Schulranzen eine Viertelstunde zur Schule lief, war das absolute Highlight auf dem Schulweg der Kaugummiautomat. Auf dem Hinweg blieb er unbeachtet, schließlich wären uns die Kaugummis von unserer Lehrerin sicherlich gleich wieder abgenommen worden. Doch auf dem Rückweg bildeten sich ganze Schulranzentrauben vor dem weltbesten Kaugummiautomaten unserer Gegend. Er war – wie alle Automaten- karmesinrot, zwei kleine Gitter vor den Plastikfenstern versteckten die kleinen bunten Kaugummikugeln. 10 Pfennig in den Schlitz gesteckt und mit etwas Glück kam der Ring mit heraus, der verheißungsvoll durch das trübe Plastikfenster glitzerte: Ein echtes Kleinod.

Und, wer hat dieses tolle Ding erfunden? Amerikaner und Holländer brachten Kaugummis und damit auch den Kaugummiautomaten nach dem Zweiten Weltkrieg mit nach Deutschland. Vielmehr ist jedoch nicht herauszubekommen. In Deutschland werden die kleinen runden Kaugummikugeln (die leicht zementartig und zuckersüß schmecken) seit 1946 betrieben, in den USA seit genau 75 Jahren.

In seinen Anfängen war der Kaugummiautomat vor allem in Kinos oder an Bartresen zu finden. Erst anschließen begann man Automaten in modifizierter Form zu entwickeln und sie an Häuserwände – gern an Schulwegen- zu hängen, wo sie bis zum heutigen Tag das Stadtbild maßgebend mitprägen.

Allerdings haben zwei Faktoren dem Kaugummiautomaten schwer zugesetzt: Die Fitness- bzw. Ernährungswelle und die Euroumstellung. Viele Automaten wurden wegen der Euroumstellung buchstäblich abgehängt, da sich ein Ändern in der Mechanik für die Vertriebe meist nicht lohnte. Und zuckerfreie Kaugummis wird es wohl niemals in Kaugummiautomaten geben. Schade eigentlich, denn zumindest ich werde sie vermissen, die kleinen, roten ramponierten Kisten am Straßenrand.

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